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Stabwechsel im Gutachterkreis
Der Reichenhaller Dr. Klaus Burger (links), Richter, aktiver Bergretter und Alpinausbilder in der Bergwacht Bayern ist neuer Vorsitzender des Deutschen Gutachterkreises für Alpinunfälle, alpine Ausrüstung und Materialprüfung (GAK).
Er wurde bei der Jahrestagung in München einstimmig von den Vertretern der führenden deutschen Alpinverbände für die nächsten fünf Jahre gewählt und übernimmt das Ehrenamt vom Alpinbeauftragten der Bayerischen Polizei, dem Polizeibergführer Peter Wiesent (rechts) aus Marktschellenberg.
Der GAK ist ein hochrangiger, ehrenamtlicher Expertenkreis und seit elf Jahren weitgehend im Hintergrund tätig. Er setzt im Auftrag der Gutachter-Bestellungsbehörde bundesweit die fachlichen Voraussetzungen für die Sachverständigen auf den Gebieten Ski-, Berg-, Kletter- und Lawinenunfälle, alpine Ausrüstung und Materialprüfung, Canyoningunfälle sowie Unfälle bei mobilen Seilaufbauten und in Seilgärten fest und entscheidet mit über die Eignung der Bewerber. Ferner kann er auf Bitte der Bestellbehörde zu grundsätzlichen alpinen Fragen Stellung nehmen oder neue Fortbildungsstandards mit festlegen.
Als kompetente Stellvertreter stehen Burger der Fachpublizist und ehemalige Präsident des nationalen und internationalen Berg- und Skiführerverbandes, Peter Geyer sowie der Ausbildungsleiter des Deutschen Alpenvereins, Karl Schrag zur Seite. Auch der bisherige Vorsitzende Peter Wiesent zieht sich nicht komplett zurück: Als Polizeibergführer, Bergwachtmann und Alpinbeauftragter der Bayerischen Polizei für die Aus- und Fortbildung der Polizeibergführer zuständig, bringt er sein Fachwissen als zusätzlicher Stellvertreter weiterhin mit ein. Burger, Geyer, Schrag, Wiesent und der weltweit anerkannte Sicherheitsexperte und Publizist Pit Schubert bilden das ebenfalls einstimmig gewählte Fachgremium, das mit der Bestellungsbehörde die Prüfungen und Fortbildungen der Sachverständigen-Bewerber begleitet. Dr. Klaus Weber, früherer Präsident des Landgerichts Traunstein, konnte als Rechtsbeirat für den GAK gewonnen werden.
„Peter Wiesent hat das Fachgremium zusammen mit der Justiz vor elf Jahren ins Leben gerufen und bis heute als Vorsitzender mit größter Sachkompetenz geführt“, lobte Burger bei der Amtsübergabe. Dr. Klaus Burger kommt aus Bad Reichenhall, ist stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Laufen im Berchtesgadener Land, engagiert sich ehrenamtlich als aktiver Bergretter und Alpinausbilder bei der Bergwacht Bayern, ist Mitinitiator der Foren „Alpine Sicherheit“ in Bad Reichenhall und als Experte im alpinen Ausbildungs-, Einsatz- und Führungsrecht bekannt. Wiesent: „Nik Burger ist mit seinem umfangreichen und vielseitigen Fachwissen und seiner alpinen Erfahrung mein Wunschkandidat als Nachfolger.“
Bayern setzt bei Bergunfällen auf öffentlich bestellte und vereidigte Gutachter. „Dieses Verfahren bietet Gewähr für einen optimalen Standard in der Ursachenforschung alpiner Unfälle, zumal Auswahl und Prüfung der Gutachter streng sind und sie sich nachweislich laufend fortbilden müssen“, erklärt Dr. Burger. Die bundesweit zuständige Bestellungsbehörde für Alpingutachter ist seit 2008 die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, vertreten durch Susanne Mußotter-Löffler; zuvor war die Aufgabe den Regierungen von Oberbayern und Schwaben zugeteilt.
Um die Unfallursachen im Gelände verlässlich aufzuklären, bedarf es in komplexen Fällen der Aussagen von herausragenden und unabhängigen Fachleuten. Das Vorgehen und die Schlussfolgerungen dieser Fachleute als Gutachter in außergerichtlichen oder gerichtlichen Verfahren sind bestimmend und weitreichend. Die Ursachenforschung der Gutachter ist dabei nicht nur ein privates, sondern auch ein öffentliches Anliegen. Sie dient nicht nur einer möglichen Schuldzuweisung, sondern hilft ganz entscheidend, Alpinunfälle aufzuklären und in Zukunft zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. „Langfristiges Ziel der Ursachenforschung ist sicherlich die stetige Optimierung der alpinen Sicherheit“, fasst der wiedergewählte stellvertretende Vorsitzende des GAK, Peter Geyer zusammen.
„Im Vordergrund unserer Arbeit steht die Auswahl und Qualifikation der Sachverständigen“, erklärt Burger. Da alle Mitglieder ehrenamtlich tätig sind und der GAK derzeit über keine eigenen Finanzmittel verfügt, beschränken sich die Aufgaben darauf, als Fachgremium für die IHK bei Bewerbungen, Prüfungen und Fortbildungen mitzuwirken. Burger: „Obwohl im Gutachterkreis die geballte Fachkompetenz versammelt ist, werden wir Stellungnahmen zu brennenden alpinen Themen, insbesondere zu Sicherheitsfragen, nur sehr bedingt abgeben können.“
Dem Gutachterkreis gehören unter anderem die führenden Vertreter alpiner Verbände und Institutionen an, darunter der Verband Deutscher Berg- und Skiführer, der Deutsche Alpenverein, der Sicherheitskreis im Deutschen Alpenverein, die Naturfreunde Deutschlands, die Bayerische Polizei, die Bundeswehr, die Bergwacht Bayern, der Verband der Bergschulen, die Lawinenwarnzentrale Bayern, der Deutsche Skilehrerverband, der Deutsche Skiverband, der Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforscher, die Fakultät für Sportwissenschaft der Technischen Universität München, die für Seilgärten zuständige European Ropes Course Association und die Commission Européenne de Canyon. Beratend wirken Vertreter der Staatsanwaltschaften München II, Kempten und Traunstein mit.
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