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„ICH BIN ABGESTÜRZT UND WEIß NICHT, WO ICH BIN"

Bei der Polizei-Einsatzzentrale in Rosenheim teilt ein mit holländischem Akzent sprechender Mann mit, dass er in den Bergen, vermutlich Deutschland, abgestürzt ist. Er kann weder angeben, wo er weggegangen, wie er auf den Berg gekommen oder wo derzeit seine Unterkunft ist. Er kann sich nicht bewegen und hat Kopf- und Armverletzungen. Nebel, Regen, Bäume, Kälte...

Es folgt:

  • Anforderung einer Peilung des holländischen Handys
  • Telefonrecherche ergibt einen in Deutschland lebenden Bruder
  • Unterkunft des Verletzten ist in einem Hotel in Murnau a. Staffelsee
  • Streifenfahrzeuge suchen nach seinem Pkw im Bereich Murnau und finden ihn schließlich auf einem Wanderparkplatz bei Ohlstadt
  • Alarmierung der Bergwacht Ohlstadt und der Alpinen Einsatzgruppen Garmisch/Bad Tölz
  • Erneuter Handy-Kontakt der EZ mit demVermissten ergibt eine vage Wegbeschreibung. Der Verletzte führt ein GPS-Gerät mit und kann die Koordinaten durchgeben
  • nach Koordinatenauswertung in der EZ Anflug der beiden Hubschrauber CHRISTOPH MURNAU und EDELWEIß 5
  • der Verletzte wird mit Unterstützung der Hubschrauber von den Männern der Bergwacht und den Polizeibergführern in einer steilen Hanglage festgestellt und kann in einem schwierigen Manöver geborgen und ins Krankenhaus gebracht werden
  • der Verletzte ist inzwischen wieder genesen, hätte mit seinen Verletzungen jedoch die Nacht vermutlich nicht überlebt

Das Einsatzspektrum der Polizeibergführer deckt alle Facetten der alpinen Möglichkeiten ab. Von Lawinenunfällen und Eiskletterunfällen an gefrorenen Wasserfällen bis hin zur Vermisstensuche und Aufnahme von Kletterunfällen.

Nachfolgend noch ein paar Einsatzbeispiele aus dem Jahr 2009:

30.08.2009 Mitreißunfall am Blaueisgletscher
Zwei Bergsteiger befanden sich auf dem bis zu 40° steilen Blaueisgletscher im Aufstieg zum Hochkalter. Beide waren mit einem Seil verbunden. Auf ca. 2400m ist vermutlich ein Bergsteiger aus dem Gleichgewicht geraten, gestürzt und hat den Anderen mitgerissen. Auf dem Eis gab es kein Halten mehr. Beide erlitten tödliche Verletzungen.

03.07.2009 Schüsse auf Bundeswehrhubschrauber
Ein Bundeswehrhubschrauber, Typ EC 135 befand sich auf einem Übungsflug von Kaufbeuren ins Alpengebiet und wollte einen Landeplatz in der Nähe der Knorrhütte im Zugspitzgebiet anfliegen. Bei einem Landeversuche wurde der Hubschrauber in einer Höhe von ca. 100 m über Grund mit roter Signalmunition beschossen. Glücklicherweise wurde er nicht getroffen, brach seinen Landeanflug ab und konnte sicher weiterfliegen.

Das Geschoß wurde von der Terrasse der Knorrhütte abgefeuert – der Schütze konnte allerdings nicht mehr ermittelt werden, obwohl ein Polizeibergführer mit dem Polizeihubschrauber EDELWEIß rasch vor Ort war.

Auf EDELWEIß wurden Gott sei Dank keine Schüsse abgegeben.

14.06.2009 Solokletterer am Blausandpfeiler
Über Notruf wurde der tödliche Absturz einer Person am Untersberg/Blausandpfeiler mitgeteilt. Nach einem Suchflug mit dem Rettungshubschrauber CHRISTOPH 14 wurde ein Polizeibergführer beim tödlich Verunglückten abgesetzt. Es stellte sich schließlich heraus, dass der Mann alleine unterwegs war und vermutlich durch einen Fehler beim Abseilen mehrere hundert Meter abgestürzt war.

02.10.2009 Absturz einer Cesna am Sulzberg
Eine Cessna startete mit zwei Insassen in St. Johann/Tirol mit Ziel Michelstadt im Odenwald. Als die Maschine dort nicht ankam, wurde sie am Abend als abgängig gemeldet.

Nach einer umfangreichen Suchaktion unter Beteiligung eines SAR-Hubschraubers und des Polizeihubschraubers wurde die abgestürzte Maschine unterhalb des Gipfels der "Sulzbergschneid" völlig zerschellt aufgefunden, die beiden Insassen waren tot. Das Flugzeugwrack befand sich in äußerst steilem und unwegsamen Gelände. Die Kripo Rosenheim als sachbearbeitende Dienststelle sowie ein Gutachter konnten nur mit Unterstützung und Sicherung durch Polizeibergführer zum Flugzeug gelangen.

13.07.2009 Hochseilgartenunfall
Eine 9-köpfige Gruppe aus Norddeutschland buchte einen Hochseilgartentag in Schneizlreuth. Nachdem alle Teilnehmer von den beiden Führer abgelassen wurden, wollte sich ein Führer über einen zweiten Abstieg abseilen. Aus ungeklärter Ursache löste sich jedoch sein Seil aus der Umlenkung und er stürzte etwa 8 Meter zunächst auf des Dach einer Hütte und dann auf den Boden.

Mit schwersten Verletzungen wurde er ins Unfallkrankenhaus Salzburg geflogen.
Die Ermittlungen zur Unfallursache wurden von einem Polizeibergführer durchgeführt.

Vermutliche Ursache:
Das Abseilen lief korrekt ab. Ein Seilende reichte jedoch nicht bis zum Boden und war auch sonst nicht abgesichert.
Als der Führer sich abseilte wurde das Seilende durch den Abseilachter gezogen und es kam zum Absturz.

 

 

 

 

 

 

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