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Nicht alltägliche Vermisstensuche am Untersberg
Ein kurioser Vermisstenfall beschäftigte die Einsatzkräfte der Alpingruppe Traunstein der bayrischen Polizei von Dienstag, 17.06.08, bis Donnerstag 19.06.2008, am Untersberg in Berchtesgaden.
Betroffen war eine 24-jährige Amerikanerin, die für einige Tage am Stöhrhaus am Untersberg verbrachte. Die junge Frau, eine Bekannte des Hüttenwirtsehepaars, unternahm am Spätnachmittag des 16.06.08 mit der Hüttenwirtin etwas unterhalb der Hütte noch ein paar Skiabfahrten auf den dortigen Restschneefeldern.
Ca. 5 Gehminuten unterhalb der Hütte trennten sich die beiden Frauen dann,. Die Wirtin ging zurück zur Hütte, die junge Amerikanerin wollte noch eine kleine Runde gehen, wobei die Wirtin ihr noch nahe legte, sie solle auf dem Weg bleiben.
Als sie am Abend dann nicht zur Hütte zurückgekehrt war, begann das Wirtsehepaar mit der Suche, die sie bis tief in die Nacht ohne Erfolg fortsetzten. Am Morgen des 17.06.08, Dienstag, wurde dann die Bergrettung und die Polizei in Berchtesgaden verständigt.
Die Suche wird durch die zunehmend schlechten Wetterbedingungen, Starkregen und Nebel sehr schwierig. Ein kurzer einstündiger Suchflug in den Vormittagsstunden brachte keine neuen Erkenntnisse. Auch die Suche der 25 Mann starken Suchmannschaft einschließlich 4 Suchhunde blieb ergebnislos.
In den Nachtstunden wurde dann der Polizeihubschrauber Edelweiß mit einer Wärmebildkamera eingesetzt, auch dies bringt kein Ergebnis.
Am 18.06.08 wird die Absuche nochmals intensiviert, zwischenzeitlich sind bis zu 4 Hubschrauber im Einsatz, auch die österreichischen Kollegen suchen ihren Bereich des Untersberggebiets ab, da sich über die riesige Hochfläche die Landesgrenze zieht.
Die Suche gestaltet sich aufgrund der besonderen Gegebenheit des äußerst zerklüfteten Plateaus am Untersberg als besonders schwierig, überall sind Felsspalten und Dolinen vorhanden. Zudem sind noch sehr viele Restschneefelder erhalten, deren Randbereiche labil sind. Des Weiteren erschweren ausgedehnte dichte Latschenfelder eine strukturierte Absuche aus der Luft. Die riesige Hochfläche birgt tausend Möglichkeiten, wo der jungen Amerikanerin etwas zugestoßen sein könnte. Letztendlich verläuft auch der Mittwoch, 18.06.08 ergebnislos.
Am 19.06.08 wird dann die Suche nochmals intensiv auf die zunächst eher unwahrscheinlichen Südabstürzen vertieft, trotz ausgezeichnetem Flugwetter konnte auch dort nichts entdeckt werden. Weiterhin sind im Bereich des Stöhrhauses bodengebundene Suchmannschaften unterwegs. Auch das Stöhrhaus wird vom Keller bis zum Dachboden inspiziert, keine Erkenntnisse.
Als man zugegebener Maßen schon ein wenig ratlos schien, brachte dann eine kuriose Entdeckung wieder Licht in die Sache. Ein Holzarbeiter machte an der Talstation einer Holzseilbahn, die auf den Untersberg führt, eine dubiose Entdeckung. An der Laufkatze der Bahn war ein blutiges Top (Büstenhalter) befestigt.
Die Holzseilbahn befindet sich in einiger Entfernung zum Stöhrhaus, ein Abstieg in diesen Bereich wurde aufgrund der Unwegsamkeit des Geländes, der Entfernung, fehlender Steige sowie Windbruch bis jetzt ausgeschlossen. Nach ausgiebigen Recherchen über die am Berg und im Tal befindlichen Holzarbeiter konnte ermittelt werden, dass es nur einen Platz auf einem Felsköpfl gibt, wo es aufgrund der niedrigen Seilhöhe der Materialbahn möglich ist, dort etwas zu befestigen.
Die Suche wurde nun sofort per Hubschrauber auf diesen Bereich konzentriert. Tatsächlich wurde die Vermisste auf einem Felsvorsprung stehend im Bereich der Materialbahn entdeckt.
Sie konnte von einem Polizeibergführer, der aus dem Hubschrauber abgewincht wurde, geborgen werden.
Ihr Zustand war aufgrund ihrer guten körperlichen Konstitution relativ stabil, sie hatte sich die Schulter luxiert und eine Verletzung am Köchel erlitten. Jedoch wäre sie bei einem weiteren Abstieg unweigerlich über die dort steil abfallenden Wandbereiche abgestürzt, und auch ein Aufstieg zurück zum Plateau wäre in ihrem Zustand nicht mehr möglich gewesen.
Somit hat ihr der Einfall, das Kleidungsstück an der Materialbahn zu befestigen das Leben gerettet. Der Fundort, lag soweit ab des logischen Suchgebiets, dass er bei keiner Einsatzüberlegung ernsthaft ins Kalkül gezogen worden war.


Andreas Hölzl
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