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Außergewöhnlicher Alpineinsatz in der Rosenheimer Innenstadt
Am letzten Juniwochenende 2007 stürzte spätabends ein 48-jähriger britischer Staatsangehöriger vom obersten Balkon eines 8-stöckigen Wohnhauses in der Rosenheimer Innenstadt ca. 20 m ab und war sofort tot. Nach Vernehmungen durch die Kripo Rosenheim stellte sich heraus, dass dem Todessturz ein heftiger Streit mit der Lebensgefährtin und einer weiteren Person vorangegangen war und es kam zu dem begründeten Verdacht, dass hier ein Tötungsdelikt vorlag.
Um die Ursachen des tödlichen Sturzes nach den Aussagen der Beteiligten und unabhängiger Zeugen besser nachvollziehen zu können, entschloss sich die Staatsanwaltschaft, drei Tage nach der Tat eine detailgetreue Tatrekonstruktion am Originalschauplatz in der Rosenheimer Innenstadt durchführen zu lassen.
4 Polizeibergführer der AEG Rosenheim übernahmen mit Unterstützung von 2 Polizeibergführern der AEG Traunstein den Part des „Balkonsturzes“. Das Geschehen sollte so originalgetreu wie möglich gemäß den Aussagen der Beteiligten nachgespielt werden. Dazu musste natürlich auch der Sturz selbst als zentraler Vorgang dargestellt werden, ohne ein weiteres „Todesopfer“ zu riskieren.
Die Berufsfeuerwehr München stellte dazu einen sog. „Hubsteiger“ zur Verfügung und platzierte in ca. 30 m Höhe eine Plattform an einem Hydraulikarm punktgenau in Falllinie 5 m über dem Balkon, der sich auf dem obersten Stockwerk des Hochhauses befand. Diese Plattform diente als Standplatz der Sicherungsmannschaft und als Fixpunkt für das Sicherungsseil. Auf einem weiteren Hubsteiger befand sich ein Filmteam der Kripo und dokumentierte den Gesamtvorgang. Weil die Tatrekonstruktion zur Originaltatzeit, also am späten Abend bei Dunkelheit, stattfand, leuchtete ein Spezialfahrzeug der Bereitschaftspolizei den Tatort zusätzlich aus. Ein Umkreis von mehreren Hundert Metern um das Hochhaus herum wurde komplett für die Öffentlichkeit gesperrt. Lediglich die Hausbewohner selbst konnten live das Geschehen beobachten.
PHM Böhm von der AEG Rosenheim übernahm schließlich die Rolle des Opfers, weil er in Größe und Statur diesem am ähnlichsten war. Gesichert mit Anseilkombination und Seil vom Hubsteiger aus stieg er nach den Anweisungen der Beteiligten originalgetreu über die Balkonbrüstung und stürzte in die Tiefe. Sein Sturz wurde jedoch glücklicherweise nach 3 – 4 Metern vom Sicherungsseil seiner Kameraden auf dem Hubsteiger aufgefangen, so dass er unverletzt blieb. Da es 6 Zeugen gab, musste dieses Szenario auch ebenso oft durchgespielt werden, so dass Koll. Böhm insgesamt 6 Mal unverletzt vom Balkon hinabstürzte.
Auf Wunsch der Kripo sollten sich während des Nachspielens der Szene auch die Lebensgefährtin und ein weiterer Tatzeuge originalgetreu auf dem Balkon aufhalten. Um einer möglichen Kurzschlusshandlung dieser beiden Personen vorzubeugen, wurden sie mit Gurt und Seil gegen Absturz gesichert.
Beobachtet und dokumentiert wurde dieses Spektakel nicht nur von den Sachbearbeitern der Kripo, sondern auch vom Leitenden Oberstaatsanwalt, dem zuständigen Fachstaatsanwalt und dem Chef der Kripo Rosenheim. Sie alle zeigten sich beeindruckt von der Leistung der Polizeibergführer auch in so einem außeralpinen Szenario. Für den Sachbearbeiter der Kripo brachte die Tatrekonstruktion einen wichtigen Beitrag zur Klärung des Sachverhaltes.
Die Lebensgefährtin als Hauptverdächtige blieb weiterhin in U-Haft, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

PHM Böhm nach einem seiner „Abstürze“ vom Balkon.
Thomas Färbinger
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